gedankenpingpong macht sich manchmal auch Gedanken über ernsthafte Themen, und muss natürlich auch Erwartungen erfüllen. Daher auch dieser Eintrag, der gleich mehrere Themen zusammenbringt und sogar eines der Elemente aus der Dreifaltigkeit des publizistischen Erfolgs zumindest peripher behandelt: die Politik.
Es geht um Meinungsbildung und als Beispiel nehmen wir die Bankenkrise. Diese hat nicht nur die SachsenLB, sondern auch andere deutsche und internationale Banken getroffen und zumindest in Fachkreisen, eine Debatte über die Zukunft des Bankensystems hervorgerufen. Darum soll es hier aber nicht gehen. Wer dazu mehr wissen will, sucht im Weltennetz und wer ein Nerd ist, der liest
dieses Protokoll einer Anhöhrung wichtiger Bankerfuzzis vor dem Finanzausschuss des britischen Parlaments.
Worum es hier geht, ist Meinungsbildung und der
Matthäuseffekt. Dieser besagt, dass bekannte Autoren häufiger zitiert werden als unbekannte. Und wenn Autoren diesen Effekt verstärken, indem sie sich gegenseitig zitieren, um sich einen Gefallen zu tun, nennt man das
Zitierkartell. Und warum redet
gedankenpingpong über den Matthäuseffekt? Reine Eitelkeit? Mitnichten. Vielmehr ist es ein wichtiges Element um zu erklären, wie die Meinung einer Person plötzlich zur vorherrschenden Meinung wird, oder gar zur allgemein gültigen Wahrheit.
Und das geht im Falle der Bankenkrise so:
Der in Großbritannien renommierte FT-Kolumnist
Martin Wolf macht sich Gedanken, was man tun kann, um Bankenkrisen zu verhindern. Der in Deutschland renommierte Kolumnist der Schwesterzeitung FTD,
Lucas Zeise, schreibt fast das gleiche und beruft sich auf Wolf. Daraufhin schreibt der Zeit-Autor
Robert von Heusinger, zwar in keiner Kolumne, aber in seinem Blog auch noch einmal das gleiche und sagt, es sei erstaunlich, dass bereits die anderen beiden dasselbe gedacht haben (Lustiger Weise wird sein Blog von der Zeit unter dem Titel Herdentrieb publiziert). Wahnsinn, oder? Wenn das Thema für das Boulevard nicht zu komplex wäre, würde wahrscheinlich in den nächsten Tagen
F.J. Wagner dieselbe Meinung äußern (allerdings ohne Querverweise zum Ursprung).