28.02.2008

Musifiziert

Ich wurde heute musifiziert. Eigentlich wurde ich videofiziert. Ich dachte ja schon MTV sei zu nichts zu gebrauchen. Aber in letzter Zeit habe ich da einige interessante Sendungen gesehen, in deren Mittelpunkt tatsächlich Musikvideos standen. Heute lief da auch so eine Sendung, und es waren tatsächlich 4 gute Videos in Folge von Bands,die ich alle nicht kannte. Vielleicht liegt diese Änderung auch daran, dass es mehr gute Musik gibt, als noch vor einigen Jahren. Die Dominanz von Hip Hop scheint abgeklungen zu sein und dank MySpace und co werden ja auch mehr neue Künstler bekannt.
Eines der Vidoes war "I Feel It All" von Feist. Die Gute hat es einfach drauf. Mal abgesehen, dass die Musik sehr interessant ist. Das Video ist ein Kunstwerk für sich. Man beachte die Choreographie, die sie dorf aufführt. Und: Es wurde durchgehend von einer Kamera gefilmt. Kein einziger Schnitt in 3:43 Minuten. So viel wie sie in dieser Zeit läuft und singt tun andere vielleicht in einem ganzen Konzert.





Trockene Themen für feuchte Träume

Ich gebe zu, in letzter Zeit wirkt gedankenpingpong ein wenig, als sei der Pingponger ein spätpubertierender Stöpsel. Aber es ist auch wirklich schwer, den Eindruck nicht zu vermitteln.
Die Übersexualisierung der Gesellschaft ist einfach überall zu finden. Charlotte Roche will es animalischer. Ab heute räkeln sich wieder "Heidis Mädels" bei ProSieben vor der Kamera und selbst wenn man das ganze bewusst meidet (weil es einen nicht interessiert), so wird man von Tittenbildern verfolgt. Selbst wenn man einfach nur Börsennachrichten lesen will, ist man vor ihnen nicht mehr sicher. Und nein, ich meine nicht die "Börsennachrichten" bei bild.de. Es war ausgerechnet der Online-Ableger der "intellektuellen" Schwesterzeitung Welt, der es geschafft hat das Thema Geldverbrennen an der Börse mit einer Fotostrecke mit Pornostars zu verbinden. Wenn man sich den Text durchliest, bekommt man sogar den Eindruck die Fotostrecke mit den heißen Mädels war irgendwie zuerst da. Wie wird das wohl in der Redaktionskonferenz zugegangen sein? "Wir haben gerade diese Pressemeldung bekommen, bei der Beate Uhse mit der IKB auf einer Liste auftaucht. Das ist die Gelegenheit um halbnackte Frauen endlich auch im Finanzteil unterzubringen. Welche von euch Praktis will das übernehmen?"
Diese Fotostrecken sind anscheinen ein ähnliches Mittel wie oben-ohne-Szenen in Hollywood-Filem. Ich habe neulich einer Freundin erzählt, es gäbe bestimmt 100 Gründe, warum Frauen in Filmen plötzlich oben ohne stehen (jetzt abgesehen von dem (Haupt-)Grund, dass die Handlung scheiße ist). Ein Szene mit Börsenkontext fällt mir aber nicht ein. Respekt Welt.de das war wahrscheinlich der Mount Everest der Fotostrecken.



27.02.2008

Zur Interpretation freigegeben

Was hat sich denn da die Werbeagentur EuroRSCG gedacht? Vielleicht habt ihr eine Idee. Der Spot ist im Übrigen für den britischen Markt.

Auch mal reflektieren

So, an dem großen Thema arbeite ich gerade. Mal ab und zu muss man aber auch inne halten und sich selbst reflektieren. Dazu empfehle ich als musikalische Untermauerung NOFX mit You're wrong.


26.02.2008

Die schon wieder

Ein Name, den man in letzter Zeit eindeutig zu oft liest ist Charlotte Roche. Warum? Weil sie einfach Scheiße labert, sich selbst widerspricht und ihre Werbetour für ihr neues Buch einfach nur peinlich ist. Warum? Ok, immer der Reihe nach. Interviews mit Charlotte Roche gab es bereits bei spiegel.de, jetzt.de, im umag, der FAZ und Neon. Es geht natürlich immer um das neue Buch der Medienfrau. Der Aufhänger ist immer der gleiche: Roche hat ein Skandalbuch geschrieben. Nein, natürlich war das keine Absicht, es ist etwas was sie unbedingt mal loswerden wollte. Es geht um den Umgang mit dem eigenen Körper: Hygiene, Geruch und Masturbation. Eigentlich sollte es zuerst ein Sachbuch werden, wurde aber ein Roman. Nein, nicht jeder soll es lesen, z.B. nicht ihre Familie oder ihre Kosmetikerin. Aha, eine Frau, die sich über zu viel Hygiene beschwert, erwähnt mal nebenbei, dass sie eine Kosmetikerin hat. Was die da wohl so treibt?

Zurück zu den Interviews. Darin geht es zu einem großen Teil immer um Hygiene. Frauen seien da ja total übersensibilisiert durch die Gesellschaft, ihre Mütter und Männer. "Es gibt Körperteile, die müssen riechen und Schleim haben und der Kampf dagegen ist falsch." So, so.
Roche findet Rasieren scheiße und "möchte das Geschlechtsteil des Mannes durch seine Hose hindurch riechen". Irgendwie eklig.
Nun verliert Frau Roche leider auch den Überblick über das was sie sagt, und dann kann es schon ma passieren, dass sie bei Neon sagt: "Pornografie ist per se nichts Schlechtes. Wie wäre es denn, wenn man Pornografie als etwas betrachtet, bei dem Männer auch was lernen können? Wie man Frauen befriedigt zum Beispiel. Oder wo Paare gemeinsam was Gutes draus ziehen können? Pornos sind dazu da, Leute aufzugeilen. Was ist daran schlimm?" und wenige Tage später gegenüber dem Spiegel meint Pornofilme seinen "ein erigierter Penis und eine weit geöffnete Scham, die beim Vollzug des Geschlechtsaktes gezeigt werden, wobei der Mann derbe abgeht und die Frau die Unterlegene spielt."
Warum die Aufregung? Eigentlich fand ich Frau Roche bisher ganz sympathisch. Immerhin hat sie es geschafft sich das Image der unverkäuflichen zu erarbeiten. Ob sie es jetzt ablegt? Mal sehen, wem sie noch so ein Interview gibt.
Ist das Thema was sie behandelt tatsächlich relevant oder eher banal? Vielleicht hat sie Recht, wenn sie die Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei der Körperhygiene anprangert. Aber muss der Kompromiss dann gleich bei "mehr Schmutz für alle" liegen? An dieser Stelle muss ich einmal die Lanze brechen, für Männer, die sich rasieren. Schamhaare sind kein unverzichtbarer Bestandteil der Männlichkeit, auch wenn einige in meinem Umfeld das anders sehen.

25.02.2008

Wo war da der Betriebsrat?

Wenn, wie von gedangenpingpong berichtet, Joseph Ackermann der Superstar der deutschen Bankenwelt ist, so ist Jürgen Schrempp definitiv einer der Volldeppen (davon gibt es mehrere) der globalen Automobilindustrie. Zumindest aus Sicht von Daimler. Er selbst verdient an dem Desaster, das er verursacht hat ja ganz gut. Und laut einer Meldung auf ftd.de hat der Konzern die Frau des ehemaligen Konzernlenkers auch gut beschenkt. Diese war zunächst nur seine Sekräterin und blieb es auch, nach der Hochzeit im Jahr 2000 bis zum Jahr 2005. Als Schrempp ging, blieb sie trotzdem und leitete sein Büro weiter. Muss ganz schön langweilig gewesen sein, so ohne Chef. Allerdings kann es ja sein, dass der Ehemann mal vorbei kam und da sonst keiner da war, wer weiß, was die das so getrieben haben. Für 200 000 Euro würde ich auch ein leeres Büro hüten. Welche Vorstandssekräterin mit Chef verdient schon so viel? Wer überhaupt verdient schon so viel?

Bei dieser Geschichte musste ich an eine mir sehr gut vertraute Person denken. Diese hatte ein Assessment Center bei Daimler erfolgreich durchlaufen und ein Angebot als Trainee bekommen. Der Job war minder interessant für ihn und auch das Einstiegsgehalt war (zwar nicht schlecht, aber doch) unter den Erwartungen. Natürlich fragte er, ob es verhandelbar sei, doch die nette Frau von der Personalabteilung sagte, das sein nicht möglich. Das werde für alle Trainees gleich festgelegt und da sei auch der Betriebsrat beteiligt, der dem Vertrag zustimmen müsse. Man achte sehr darauf, dass es gerecht zugeht. Sofort startete in seinem Kopf das gedankenpingpong zum Unterschied zwischen gerecht und gleich. Und bei dem geringen Anteil, der flexibel war, war es bestimmt auch nicht gerade leistungsbezogen, dachte der umworbene Aspirant und entschied sich gegen das Angebot. Wenn man die Geschichte von Frau Schrempp betrachtet, hat er sich wohl geirrt. Gleich sind sie bei Daimler nicht alle. Aber gerecht und leistungsorientiert geht es da wohl auch nicht immer zu.

24.02.2008

Kopenhagener

Da Herr Naumanns Versprecher ab heute nicht mehr relevant sind (egal wie die Wahlen ausgehen), ist der kleine Film von meiner Seite gelöscht worden. Statt dessen mache ich lieber Werbung für ein paar Kopenhagener. Nicht zum essen, aber trotzdem zum genießen. Elferklang heißt die Band.
Die Musik der 5 Dänen erinnert ein wenig an Sigur Ros, auch wenn das in diesem Lied nicht so sehr zu erkennen ist. Vor allem das neue Album ist aber deutlich experimenteller. Warum dann dieser Song? Ganz einfach: Das Video, dass die Reise eines Menschenvogelwesens durch eine surreale Welt zeigt, passt einfach zu gedankenpingpong.

23.02.2008

Der Griff ins Klo

Was folgen wird, ist der Bericht eines enttäuschten Lesers, wer also kein Bock auf ein Pamphlet hat, der sollte nicht weiter lesen.
Es geht um eines meiner (ehemals) Lieblingsmagazine Brandeins. Zugegeben, in den vergangenen 1,5 Jahren habe ich es unregelmäßig gelesen und auch das Abo abbestellt. Doch ich las es immer gerne und als ich den Titel der letzten Ausgabe "Marketing ist tot" sah, dachte ich, dass es interessant wäre. Angestachelt von einer guten Kritik im fontblog kaufte ich mir das Magazin für einen Flug, der zum Horrortrip wurde. Dies lag nicht nur an der aufkommenden Grippe, sondern viel mehr an dem durch Brandeins ausgelöstem Ärger.

Es ist schon erstaunlich, wie die Redaktion eines Wirtschaftmagazins durch ein gesamtes mono-thematisches Heft, dass sich mit Marketing beschäftigen soll dieses mit Kommunikation verwechselt. Ein Beispiel? Ein Artikel über Bierhersteller, die nicht in den Massenmedien werben. Seitenlang werden die Erfolgsfaktoren beschrieben, Produkt, Verpackung, Distribution, Preissetzung, lokales Sponsoring, Qualität. Kurz vor Ende des Artikels kommt dann ein Satz, bei dem ich beinahe ausgerastet wäre. Leider habe ich das Magazin nicht mehr (im Flieger vergessen), aber die Aussage war "erfolgreich ohne Marketing". Nein liebe Redakteure, erfolgreich mit konsequentem Marketing ohne den Einsatz von Massenkommunikationsmitteln.
Kleiner Fehler? Nein, großer Fehler und zwar einer von vielen. Auch bei einem Artikel über EON wird Marketing und Kommunikation ständig verwechselt, anstatt das Marketing in der Analyse in seine Bestandteile zu zerlegen. Ein anderer Artikel handelt von der Agentur Anomaly. Ich gebe zu, eine coole Idee, was die Jungs da machen, aber sicherlich kein Ersatz für herkömmliche Werbung. Warum? Nun ja, wenn deren Ideen darauf aufbauen, dass Reize anders gesetzt, bzw. platziert werden, als bisher, dann funktioniert das System nicht mehr, wenn es alle machen. Auf diese Idee ist der Autor leider nicht gekommen. Auf die Kritik der anderen Artikel zu deren Lektüre ich mich überwinden konnte, verzichte ich.
Leider musste ich erneut feststellen, was das Problem von Brandeins ist: Sie sind in der Lage Firmen und Ideen interessant darzustellen, Objektivität und Fachwissen um Themen zu hinterfragen und komplexe und manchmal auch weniger komplexe Sachverhalte richtig darzustellen, fehlen oft. Das allerdings die Kenntnis solch grundlegender Dinge wie der 4P des Marketing nicht einmal beachtet werden, ist sehr dilettantisch.

21.02.2008

Sexy for Jesus

Before traveling towards the south in a few hours, I just wanted to tell you about potentially the best marketing idea of the millenium. It's so great it could be even spun by the Titanic editors. But it's not they who created it. This refreshing way of marketing cosmetics stems from Singapore. The brilliant Singaporean marketeers combined body care and religion and named their product range Lookin' Good for Jesus.
My favourite product is the hand and body cream, "Get Tight with Christ". That's really awesome, or as the Germans say "geil"! The times of good old chastity are over, also according to the leading shepherd in Germany (not the leading German shepherd, that one is in Rome) Robert Zillitsch, who is also thinking of getting rid of celibacy. And if you have been following christian news as closely as I've been you might know, that the Brasilian clergy also asked the pope to abandon that rule. Why am I not surprised it's the clerks from the copa cabana, who are asking for that? Yeah well, if gedankenpingpong were in Brasil, well then...

On the news

Lasst mich in Ruhe!

Von Bernd König-Weissenberger

Liebe Reeperbahn Prostituierte,

oder hört ihr lieber Kiez-Nutten? Es liegt mir schon lange auf dem Herzen mal einen offenen Brief an euch zu richten, den ihr wahrscheinlich nie lesen werdet. Doch vielleicht bewegt ein spannendes Gedankenpingpong die Welt ja so sehr, dass dieser Schmetterlingsflügelschlag eine kärcherartige Durchschlagskraft besitzt.

Also, was spricht eigentlich dagegen, dass man auf einen Dienstag, abends mit einem Freund, männlich, leicht besoffene Erscheinung, angeregt in einem Gespräch über sagen wir mal Filme von Mario Bava über die Reeperbahn schlendert, OHNE sich einen billigen Fick bei euch abzuholen? Sogar nur auf dem Weg zu Freunden ist, ja Menschen die auf St. Pauli wohnen? Statt dessen stellt ihr jeden männlich aussehenden Menschen (wahrscheinlich sogar Grace Jones) in eurer blinden "Profickgier" (ja hätte man nicht schreiben sollen; nach Abwägung, so blödes Wortspiel dass es rein musste) unter Generalverdacht ein Freier zu sein, so dass ihr wirklich jeden mit euerer penetranten Anbiederung auf Verkehr hin ansprecht. Diese Taktik mag ja das "Geheimnis eures Erfolges" sein, aber meint ihr nicht dass ihr denen gehörig auf den Wecker geht, die eben nicht zum Bumsen gehen? Und ist es nicht so, dass diejenigen, die sich gern auf Geschäftsreise von ihrer Dirndl-Mutti bei einem Exoten-Bums entspannen wollen von alleine zu euch kommen? So schüchtern kann man ja gar nicht sein.

Früher, in alten Filmen, gab es sogar noch die Romantik der schüchternen Absinth-Nutte, die mit einer Rose wedelnd ihren vierlagigen Rock lupfte, um Melonen-Träger ganz verrückt zu machen. Die haben mit Reizen gespielt, ihre Weiblichkeit betont, versteckt – gezielt eingesetzt. Qualität, Abenteuer, Entgrenzung stand im Vordergrund. Sex mit Niveau im gewissen Etablissements? Heute wird man auf der Straße gefragt ob man einer wildfremden Frau (Orginalzitat) "mal ins Gesicht spritzen möchte". Ja hallo? Wo leben wir? Geht es noch billiger?

Vielleicht bin ich ja etwas konservativ bei diesem Thema, aber eigentlich dachte ich, dass es Thema der professionell konservativen, zum Beispiel den regierenden Christdemokraten sein müsste, gegen so etwa zu sein. Gerade der regierende Bürgermeister müsste als Homosexueller von dieser Heteroübermacht auf dem Kiez angewidert Konsequenzen ziehen. Und sowohl die christlichen Werte, als auch die Schwulenehre retten, indem er gegen diese öffentliche zur Schau Stellung von Frauen vorgeht. Wie passt das zusammen? Oder belebt das den Wirtschaftsstandort Hamburg? Da bin ich dann wirklich mal der "Motherfucker des no commerce": Kein Fleischhandel auf Hamburgs Straßen! Damit meine ich nicht, man sollte Prostitution verbieten, von mir aus könnten die das Gewerbe nach dem Prinzip Eros-Center und Herbertstraße weiter führen. Oder ein Fickpalast mit 500 Frauen und Ladyboys in Harburg? Der Süden Hamburgs soll ja attraktiver werden. Da könnte man auch mit einem LKW direkt vorfahren. Mir ist es auf jeden Fall zuwider an der Davidstraße bis in den Burger King-Laden verfolgt zu werden oder von 8 Frauen in Schneeanzügen am Hans-Albers-Platz reihenweise angesprochen und belästigt zu werden. Ist man freundlich und argumentiert, versuchen die ihren "Billo-Charme" in Geld zu wandeln, wird man lauter, werden die aggressiv, im schlimmsten Fall kommt der Hooker.

Da wundere ich mich dann wirklich, dass dieses Problem immer schlimmer wird. Es hat nichts mit dem verruchten Charme der Reeperbahn zu tun, sondern ist einfach nur ein Armutszeugnis für die Stadt. Ich finde auch dass es die visuelle Ästhetik stärker beleidigt als die Tehrerani- Gebäude oder das geplante und verworfene Jeff Coons-Kunstwerk des Senats. Wenn ich wählen dürfte zwischen den vielen Nutten oder der Nutte schlechthin nämlich AC/DC-Rosie, man dürfte sie in ihrer ganzen aufgeblasenen Größe von mir aus auf den Spielbudenplatz stellen oder an Baukräne hängen.