26.10.2008

Zu viel versprochen

Es waren mal wieder nur große Worte, wie dicke Rauschwaden, die ein großes Feuerwerk ankündigen sollten und am Ende war es dann doch nur heiße Luft. Kein Knall, keine Farben, nicht einmal Blindgänger. Ein Comeback von gedankenpingpong sollte es werden. Doch es kam fast nichts. Ein paar aufgestaute Geschichten, die schon viel zu lange irgendwo rumschwirrten und dann wieder gar nichts. Wo ist die Kreativität geblieben? Wo die Idee und vor allem der Gedanke, der einmal irgendwo quer schießt? War das überhaupt mal da? Fett ist er geworden, der Autor. Sitzt zufrieden in seiner Wohnung und trinkt Kaffe - oder im Büro, wo er Folien malt und Dreisätze rechnet. Wichtig, Wichtig.
Nee, natürlich alles quatsch, aber für Inspiration gab es nur wenig Zeit und Inspirierendes gab es auch nicht viel. Über Kino, Theater und Museen zu schreiben ist auch eher eine Wiederholung - ein Recycling von Mustern, die schon beim ersten Mal wenig Überraschendes mitbringen. Da ist ja selbst die Finanzmarktkrise spannender. Auch wenn das viele nicht hören wollen. Doch hier erlebt man das ganz große Drama. Die Demut des Jünglings namens Kapitalismus, der eigentlich erwachsen sein wollte und doch die Fehler eines Pubertierenden machte. Den Hochmut des Großvaters Staat, der den gedemütigten wieder aufnimmt und dabei den Zeigefinger stets oben hält. Der jetzt, wo der junge Rebell kraftlos ist und seine Macht gebrochen scheint schnell die Oberhand zu gewinnen sucht. Stolze Auftritte und große Versprechen gegenüber dem Volk und natürlich der Zeigefinger - "währet ihr doch nur bei mir geblieben, eure Wunden wären nicht die heutigen".
Wer dieses Drama mitverfolgen kann, mit all seinen Charakteren und den vielen Szenen, der braucht auch kein Kino oder Theater. Der Rückzug ins Privatleben scheint ohnehin nicht angebracht? Wie kann man sich nur ernsthaft Gedanken über Gesichtspflege oder Schuhe machen, wenn die Welt vor dem Abgrund steht? Jeder seinen Job schon morgen verliert, unser Erspartes weg ist und die galoppierende Inflation die Menschen in den Hunger treibt. Ich würde schon einmal die Speisekammer füllen, sonst gibt’s im Winter nur Rübenmarmelade und trocken Brot mit Wasser. Ja, wer zu viel ins Kino und Theater geht statt Anne Will zu gucken, der erkennt nicht die Zeichen der Zeit und sein Weltbild wird verzerrt wie in einem Spiegelkabinett. Die Krise hat uns alle erfasst, und wer bald kein Benzin mehr bekommt, wird sich ärgern, nicht schon letzte Woche ein paar Fässer in seinem Keller gebunkert zu haben.


08.10.2008

Anarcho-Mann

Eigentlich ja eine ziemlich billige Tour einfach mal auf einen Artikel zu verweisen, aber in diesem Fall will ich es einfach mal tun. Denn heute ist tatsächlich ein interessantes Interview in der Internet illustrierten.
Noam Chomsy, der große Denker der amerikanischen Linken - und zwar Links im Sinne von Links und nicht Obamas oder andere Liberaler - erklärt, warum der Unterschied zwischen Obama und McCain kleiner ist als wir Europäer denken, warum wir (nicht nur die Amis) Nationalisten im Orwellschen Sinne sind und was wir den 68ern verdanken. Da der bekennende Anarchist und (Sprachwissenschaftler am MIT) bestimmt keine Huldigungen mag, huldigt ihm nicht, hört ihm kritisch zu.

05.10.2008

Das lustige Dorf

Es war einmal...eigentlich ist es noch immer. Das lustige Dorf, mittlerweile ein Stadtteil dieser "Metropole", aber trotzdem noch mit Seele. Schon vor Jahrhunderten hatte das Dorf einen besonderen Ruf. Gefeiert wurde hier, was das Zeug hält und sittenwidrig ging es auch zu, denn das Dorf war ein Pionier. Vor mehr als 200 Jahren gab es hier in den Gaststätten schon Damenbedienung. Die Bernemer wussten halt zu feiern. Und so gab es hier wohl ständig irgend welche Feste und die Städter kamen gerne vorbei, auch wenn der Klerus das nicht gerne sah. Irgendwann wurde das Dorf dann einfach an die Stadt angeschlossen und wuchs zum größten Stadtteil.
Heute ist der Stadtteil anscheinend immer noch was Besonderes. Einige sagen, es sei der beste. Mit der besten Infrastruktur, den besten Straßenfesten und dem tollsten und größten Sportverein in Hessen. Andere sagen natürlich, das sei alles überbewertet und man könne auch wo anders glücklich sein - sofern man in dieser Stadt überhaupt glücklich sein kann. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte. Trotzdem gibt es hier viele tolle Dinge, wie die Damenbedienung, die es zwar überall mittlerweile auch gibt. Aber hier ist jetzt halt zu Hause, also direkt vor der Tür.

24.09.2008

Die Blätter fallen

So, jetzt ist der Sommer definitiv vorbei. Morgens ist es schon deutlich kühler - und abends und auch Nachmittags. Eigentlich den ganzen Tag - glaube ich. Es regnet jetzt auch mal ab und zu. Gut, nicht so oft wie in Hamburg, aber das ist jetzt auch nur ein kleiner Trost.
Jedenfalls ist es herbstlich genug, um den Sommer Revue passieren zu lassen. Natürlich haben sich da auch einige Eindrücke gesammelt und auf irgendeinem Datenträger verewigt. Z.B. die tolle Zeit in meiner zwischendurch-Wohnung. Mit dem tollen Ausblick auf den Hauptbahnhof.

Die zahlreichen Besichtigungen von viel zu teuren, viel zu kleinen oder viel zu schlecht gelegenen Wohnungen.Oder die grandiose Stimmung in der Commerzbank Arena beim EM-Finale (vor dem Spiel).Nicht zu vergessen das große Fest zu meinem Einzug in das tolle Viertel, von dem ich auch noch berichten werde.Die zahlreichen Weinabende und -nachmittage.Dann natürlich die gemütlichen Brunches in der Sonne mit meiner Freundin - sogar noch am vergangenen Wochenende.
Ja, gedankenpingpong ist zurück. Alles wird jetzt wie früher, und doch anders. Eben besser und schlechter. Also, schaut mal wieder vorbei.

25.08.2008

Wegen Wetter geschlossen

Hallo zusammen,
ich habe voller Erschrecken festgestellt, dass der Sommer sich dem Ende nähert, deswegen werde ich jetzt die letzten Sommertage genießen und erst ab September wieder diese digitalen Seiten mit geistreichem und weniger geistreichem füllen...

10.08.2008

Nichts als die Wahrheit

Ja es steht nicht gut um unsere Welt. Überall prüde Kleinbürger und bekloppte Proletarier. Alles Kulturbanausen. Und sie haben jetzt auch in Italien zugeschlagen.
Weil das Gemälde im Presseraum des italienischen Premiers eine halbnackte Frau zeigt deren Brust ständig im Bild war, wenn Bilder gemacht wurden wurde die junge Dame jetzt angezogen. Giambattista Tiepolos Allegorie mit dem Titel 'Die Wahrheit wird enthüllt von der Zeit' ist jetzt etwas züchtiger geworden.
Eigentlich eine richtige Entscheidung. Der Titel ist ohnehin völliger Schwachsinn. Ist es nicht vielmehr so, dass die Wahrheit von der Zeit verschleiert wird. Je weiter das Ereignis weg ist, desto mehr kommt selektive Erinnerung zum Tragen. Und wenn keiner mehr lebt, entscheidet die Meinungshochheit über die Wahrheit. Da werden Deutsche dann zu Kriegsopfern, die DDR zu einem ganz netten aber leider fehlgeschlagenen Versuch des Sozialismus, der Kosovo-Krieg zu einer Notwendigkeit, und so weiter. Von daher kann ich die Handlung nur begrüßen. Alle Kritiker sehen eben nicht die Meta-Ebene. Zieht der Frau was an, schmückt sie aus und kaschiert die unschönen Falten und Flecken.

09.08.2008

Wie du, nur anders

Stell dir vor, du müsstest einen Verbrecher beschreiben, was würdest du tun. Am besten man vergleicht dann mit anderen. 'Ja, der sah so aus, wie Dieter Bohlen, nur mit Halbglatze und Plauze', oder 'wie der ander aus dem Fernsehen'. Was'n Scheiß?
Nee, so tribivial ist das nicht. Denn diese Methode kann man auch gezielt anwenden. Weil es in Neuseeland verboten ist, Phantombilder minderjähriger zu veröffentlichen, hat die Polizei in der Gemeinde Christchurch Ein Bild von Robbie Coltrane benutzt. Der Verbrecher sieht nicht so aus, wie der Harry-Potter-Darsteller, sondern wie eine 16jährige Version von ihm. Nur mal nebenbei, Coltrane spielt Rubeus Hagrid (der Dicke mit dem riesen Bart). Da stelle ich mir schon die Frage, wer bei dem Versuch einen 16Jährigen zu Beschreiben daraus kommt er sehe aus wie die junge Version eines Riesenbartmanns, der ist eindeutig zu oft auf den Kopf gefallen. Wie sieht das denn bitte aus? Mit Flaum(bart) und Dreadlocks? Ich weiß es nicht, aber vielleicht hat mich auch nur der Umzug müde gemacht.

Anmerkung
Leider habe ich es nicht geschafft den Mann mir Grafikbearbeitungssoftware jünger zu machen. Vielleicht habt ihr mehr Erfolg.

07.08.2008

Willkommen Zuhause

Langsam aber sicher werde ich assimiliert. Und damit das das möglichst schnell passiert, kümmern sich die anderen besonders ausgiebig um mich. Letzes Wochenende, gab es sogar ein riesiges Straßenfest, um meinen Einzug zu feiern.
Es war sogar richtig lustig. Einige Stände mit DJs und Electro-Sound, viele normale Leute und jede Menge Pils. So viele Leute waren da, ich hätte nicht gedacht, dass hier so viele wohnen. Auf jeden Fall war es eine mords Party und alle waren glücklich. Wie in der Schanze, nur dass am Ende keine Autos brannten. 'Wie? Jetzt disst der Hamburg', fragt ihr euch. Ja so ein kleiner Seitenhieb wird ja wohl noch erlaubt sein. Ist ja nicht böse gemeint. Und im Grunde sehne ich mich nach der Hansestadt. Deswegen habe ich mir auch einen Stadtteil gesucht, der möglichst nah an Hamburg heran kommt. Jetzt muss ich nur noch einen kleinen Ausflug in die Sophienstraße 8 machen, dann ist alles gut.
So, jetzt aber Schluss und warum der Stadtteil jetzt so ist, wie er ist, erzähl ich euch beim nächsten Mal.

04.08.2008

Von Bullen und Bären

Als Stadtmensch sieht man ja nicht gerade oft Tiere. Ok, eigentlich täglich, aber von Vielfalt kann keine Rede sein. Täglich ein paar olle Tauben, mal ab und zu ein Karnickel im Park und ständig Hunde und Katzen.
Hier in dieser Stadt ist das etwas anders. Wenn man am Sonntagnachmittag durch die Innenstadt streift fühlt man sich nicht nur wegen der gähnenden Leere an 'I am Legend' erinnert. Auch die Tiere können sich sehen lassen. Es ist zwar keine Herde Hirsche, aber dafür ein Schaukampf sonder gleichen.
Bulle und Bär sollen ja angeblich aus amerikanischen Schaukämpfen stammen. Bär an Pfahl gebunden und ab ging's in den Kampf gegen den Bullen. Da sich aber mittlerweile selbst die erfolgreichsten Videoblogger von Wikipedia als Informationsquelle abwenden, wage ich diese Story zu bezweifeln - ganz herdentriebsmäßig.
Bleibt allein noch die Frage, ob man aus diesem Schauspiel etwas für seine Investmentstrategie mitnehmen kann. Der Bulle, hier mächtig über dem Bären, der sich klein macht. Ob das schon für den Aufschwung am Markt reich? Vielleicht ist das klein Machen genau die richtige Strategie um den Bullen nach unten zu ziehen.
Eine andere Methode wäre sich die Tiere etwas genauer anzuschauen. Wie steht es um ihre Physis? Wer sieht stärler aus? Wer agressiver? Der Bär wirkt momentan nicht gerade motiviert, doch wie steht es um den Bullen? So einer kann schon agressiv werden, vor allem wenn er länger nicht gezeugt hat. Also - wie meine Begleiterin empfahl - sollte man auf einen Anstieg der Kurse setzen, je größer die Klöten sind. Entscheidet selbst. Ich persönlich rate euch in Flüssiges zu investieren. Flüssiges Gold. Denn wie schon ein sehr weiser Freund von mir ganz richtig sagte: "Nichts ist schlimmer, als wenn das Bier alle ist."

01.08.2008

Ich, Du, Wir

Heute wurden einem Mann in München Arme transplantiert. Ja, Arme, nicht ein Arm, sondern beide. Er hatte sie bei einem Unfall verloren. Die Familie des Spenders hat ausdrücklich zugesagt und jetzt wird der Mann wohl mit neuen Armen durch das Leben gehen können.
Wie Patrick Wellingford in John Irvings 'Die vierte Hand'. Nur das Wellingford eine Hand verloren hatte und diese dann transplantiert wurde. Die Hand kam von einem Mann, dessen Frau ihn dazu brachte der Transplantation zuzustimmen und kurz bevor er starb träumte er von Wellingford und seiner Frau, wie sie mit einander schliefen. Es kam dann wie er es geträumt hatte und weil sie ein Kind wollte - mit ihrem Mann - hat sie dann eines mit dem Empfänger und der tote Ehemann guckt in die Röhre. Na ja, war ja Sex mit ihm, kann man sagen, immerhin wurde der Körper des anderen an seine Hand genäht.
Die Frage nach den psychischen Folgen für den Armempfänger hat sich das ZDF auch gestellt. Immerhin hat der Kerl jetzt ja zwei fremde Arme an seinem Körper. Ohne Arme ist doof, aber sich mit fremden Fingern am Sack kratzen? Auch komisch, oder?
Diese Frage können wir uns aber vielleicht bald alle stellen. Denn wenn die Methode Praxis wird, dann könnte jedem von uns potentiell geholfen werden. Und wer Organspender ist, der muss sich auch Fragen, ob's ein bisschen mehr sein darf, was er post mortem "unters Volk" bringt. Vielleicht kann dann ja auch jemand mit einer fremden Hand einen fremden Sack kratzen.